SPRACHSTÖRUNGEN

 

Sprachentwicklungsverzögerung

Folgende wichtige Meilensteine der Sprachentwicklung lassen sich festhalten:

  • Ca 12 Monate: Erste Wörter (Hauptwörter wie Mama, Papa, Auto, Puppe)
  • Ca 18 Monate: Aneinanderreihung von Wörtern, 2- bis 3-Wortsätze („Papa Garten“, „Benni Auto haben“)
  • Ca 3 ½ Jahre: Nun verfügen Kinder bereits über grammatikalische Fähigkeiten, die denen von Erwachsenen ähneln. Nun sollten schon richtige Sätze mit korrektem Satzbau gesprochen werden („Ich kann nicht einschlafen, weil ich so durstig bin.“).

Die angeführten Altersangaben basieren auf dem derzeitigen wissenschaftlichen Standard. Von einer Sprachentwicklungsverzögerung spricht man, wenn ein Kind wesentlich unter dem Altersdurchschnitt liegt.

 

Störungen der Aussprache (Dyslalie)

Eine Dyslalie besteht dann, wenn bestimmte Laute nicht korrekt produziert werden können. Am häufigsten betrifft dies den Laut „s“. Man spricht dann von einem Sigmatismus oder „S-Fehler“.

 

Myofunktionelle Störung

Störung des Muskelgleichgewichts im Bereich Lippen, Zunge und Wangen, dh manche Muskelpartien sind zu schwach, manche zu stark ausgeprägt. Dadurch kann es zu Fehlbildungen von Lauten („s“ und/oder „sch“) bzw auch oft zu einem pathologischen Schluckmuster („Zungenpressen“) kommen. Dies führt nicht selten zu Zahnfehlstellungen.

 

Phonologische Störung

Darunter versteht man das Vertauschen bestimmter Laute durch andere. Häufig wird zB das „r“ durch „l“ oder „k“ durch „t“ ersetzt („Tlototil“ statt „Krokodil“, „Tinderdarten“ statt „Kindergarten“). Oft führt die phonologische Störung in der Folge zu einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, die Probleme in der Schule bzw dem Schuleintritt nach sich ziehen kann.

 

Störung des Grammatikerwerbs (Dysgrammatismus)

Mit 3 ½ bis 4 Jahren sollte der Grammatikerwerb abgeschlossen sein. Bei manchen Kindern sind jedoch auch noch danach Schwierigkeiten in folgenden Bereichen feststellbar:

  • Satzbau: bspw „Ich Hunger hab.“ statt „Ich habe Hunger.“
  • Anpassung von Wortendungen: bspw „Ich bin gelauft.“ statt „Ich bin gelaufen.“
  • Gebrauch der richtigen Artikel (der, die, das)
  • Gebrauch der richtigen Fälle: bspw „Papa, hilf die Mama..“ statt „Papa, hilf der Mama.“

 

Artikulationsstörung infolge organischer Fehlbildungen (Dysglossie)

Zu den gängigsten Dysglossien zählt zB die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.

 

Störung des Redeflusses (Stottern)

 

Neurologische Sprachstörungen

  • Aphasie: Die Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die häufig nach Schädigungen des Gehirns zB durch einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma, hervorgerufen werden kann. Man unterscheidet hier zwischen motorischer und sensorischer Aphasie.

    Bei der motorischen Aphasie ist die Planung der Artikulationsbewegungen gestört. Der Patient weiß also, was er sagen möchte, kann sich jedoch nicht ausdrücken. Betroffene dieser Störung verfügen meist über ein einwandfreies Sprachverständnis.

    Bei der sensorischen Aphasie wurde das Sprachverständnis in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt zu entstellten, unverständlichen Aussagen.

    Meist treten jedoch beide Aphasieformen kombiniert auf.
  • Dysarthrie: Dysarthrien sind Störungen in der Ausführung von Sprechbewegungen und/oder der Koordination von Atmung, Stimme und Artikulation. Auch sie treten oft im Zusammenhang mit Schlaganfällen oder im Zuge neurologischer Erkrankungen auf. Die Betroffenen leiden meist ebenfalls unter einer Schluckstörung (Dysphagie).